In Wong Kar Wais loser Fortsetzung von IN THE MOOD FOR LOVE schreibt der chinesische Autor Chow (Tony Leung) auf seinem Hotelzimmer an einem philosophischen Science-Fiction-Roman mit autobiographischen Zügen. Er handelt von dem einsamen Japaner Tak (Takuya Kimura), der im Jahr 2046 mit dem Zug an einen dystopischen Ort reist – der ebenfalls 2046 heißt –, in der Hoffnung seine verlorene Liebe wiederzufinden. Inspiration für die Entwicklung seiner melancholischen Figuren sind Chows Erinnerungen an seine eigenen verflossenen Liebschaften. Drei Frauen haben in seinem Leben eine Rolle gespielt, und sie alle wohnten in seinem Hotel – im Nachbarzimmer, Nr. 2046. Besonders über seine einzige große unerfüllte Liebe Su Li-Zhen (Gong Li) versucht er durch das Schreiben hinwegzukommen.
WEIRD 20% | WONDERFUL 80%
Weirdest moment
Von Einsamkeit
bedrückt, sitzt Chows literarisches Alter Ego Tak im Zug, um als erster Mensch 2046
wieder zu verlassen. An Bord lässt er sich von zwei androiden
Gästebetreuerinnen umsorgen. Dabei passiert Tak genau das, wovor er gewarnt
wurde: Er verliebt sich in eine der beiden, da sie seiner verlorenen Liebe
ähnelt. Doch die Maschinen leiden nach einer gewissen Nutzungsdauer unter
verzögerten Reaktionen, die sie emotionale Signale wie Lachen oder Weinen erst
Tage später zeigen lassen. So weiß Tak nie, was die defekte Androide für ihn
empfindet. Er versucht sie zum Lachen zu bringen und bittet sie mehrmals, sein
trauriges Geheimnis anzuhören und mit ihm fortzugehen. Doch er muss aufgeben.
Erst als Tak schon nicht mehr da ist, erscheint ein völlig unmotiviertes
Lächeln auf dem sonst ausdruckslosen Gesicht. In einer Röhre, in der sie sich
schließlich zur Ruhe legt, rinnt im kalten Neonlicht eine einzelne Träne über
ihre regungslose Wange.
Most wonderful moment
In Chows Roman
erzählt der Protagonist von einem vergessenen Brauch, nach dem die Menschen
sich früher einen Baum auf einem Berggipfel aussuchten, ein Loch hineinschnitzten
und dort ihr Geheimnis hineinflüsterten. Wong Kar Wai zeigt das futuristische
Pendant zu diesem Brauch in hypnotischen Bildern: Langsam zoomt die Kamera auf
ein großes muschelartiges Gebilde mit einer mysteriösen Vertiefung, in die der
Protagonist und später seine Geliebte ihr jeweiliges Geheimnis hineinflüstern. Blaue
Leuchtschrifttafeln mit verschwommenem Text ziehen durchs Bild und untermalen
den nachdenklichen Monolog des unglücklich Liebenden: „Ich liebte einmal. Nach einer
Weile verschwand sie. Ich ging nach 2046, denn ich hoffte, dass sie dort auf
mich wartete. Doch ich habe sie nicht gefunden. Ich frage mich ständig, ob sie
mich jemals geliebt hat. Ich werde es wohl nie herausfinden. Vielleicht war
ihre Antwort wie ein Geheimnis, das für immer verborgen bleibt. All unsere
Erinnerungen sind in Tränen gebadet.“










(c) DVD-Screenshots: Paramount