Mittwoch, 20. August 2014

THE WICKER MAN (Director's Cut) | Robin Hardy | UK 1973


Ein anonymer Brief führt den streng christlichen Sergeant Howie (Edward Woodward) auf die schottische Insel Summerisle, wo laut Absender die Schülerin Rowan Morrison vermisst wird. Doch niemand von den Inselbewohnern will das Mädchen je gekannt haben. Neben ihrer Verschworenheit verstört die von Lord Summerisle (Christopher Lee) angeführte Gemeinde den Sergeant mit befremdlichen heidnischen Bräuchen und Ritualen: Nächtliche Sexorgien unter freiem Himmel, schwangere Frauen, die nackt über ein Lagerfeuer springen und den empfangenen Samen preisen, Kinder, die singend einen phallischen Maibaum umtanzen. In der Bibliothek stößt Howie in einem Buch auf ein rituelles Menschenopfer, das die Naturgötter nach Missernten besänftigen soll. Nun glaubt er zu wissen, was mit dem verschwundenen Mädchen geschehen soll.

WEIRD 85% | WONDERFUL 15%



Weirdest moment
In einer Szene – für den Handlungsverlauf des Films ohne erzählerischen Mehrwert – führt Mrs. Morrison eine rituelle Handlung an ihrer vorpubertären Tochter durch: Zwischen zwei Fingern hält sie einen lebendigen Frosch, auf den das Mädchen angewidert starrt. Es sei schließlich nur ein Frosch, beschwichtigt die Mutter, woraufhin die Kleine brav den Mund aufsperrt. „In he goes“ sagt die Mutter und schiebt ihrer Tochter den Frosch in den Mund. Sie lässt einige Sekunden verstreichen und demonstriert ihrem Kind mit verzerrtem Gesicht, wie der Frosch im Mund behalten werden muss. Danach fischt die Mutter – „and out he comes“ – den Frosch wieder unversehrt aus dem Kindermund. Sinn und Ziel dieser Zeremonie bleiben für die Zuschauer völlig im Verborgenen. Für seine tadellose Kooperation wird das Mädchen mit einer Süßigkeit aus dem Bonbon-Glas belohnt.



Most wonderful moment
Im Wirtshaus stimmt die Dorfjugend zur Abendstunde das Folklied "Gently Johnny" an und untermalt mit den eindeutigen Textzeilen die lustvollen Stöhngeräusche aus dem ersten Stock. Dort entjungfert die Tochter des Wirts auf Geheiß von Lord Summerisle einen Jüngling – ein Initiationsritus der Inselbewohner. Seargent Howie hingegen versucht, sich trotz penetranter Geräuschkulisse auf sein ehrfürchtiges Nachtgebet und den Schlaf zu konzentrieren. Kommentiert wird die Szenerie von Lord Summerisle mit einem huldigenden Monolog an die Tierwelt, der nur im Director’s Cut des Films zu finden ist: „I think I could turn and live with animals. They are so placid and self-contained. They do not lie awake in the dark and weep for their sins. They do not make me sick discussing their duty to God. Not one of them kneels to another or to his own kind that lived thousands of years ago. Not one of them is respectable or unhappy, all over the earth.“ Während seiner Hymne beobachtet er im Garten des Wirtshauses zwei ungehemmte Schnecken bei der Paarung, deren Natürlichkeit von schönen Makroaufnahmen unterstrichen wird.

(c) DVD-Screenshots: Kinowelt

Sonntag, 17. August 2014

LE BOUCHER | Der Schlachter | Claude Chabrol | Frankreich/Italien 1970


Schlachter Popaul (Jean Yanne) lernt auf einer Hochzeitsfeier die attraktive Schuldirektorin Hélène (Stéphane Audran) kennen. Mit Charme und saftigen Hammelkeulen gewinnt er das Herz der emanzipierten Schönheit, auch wenn die Liebe platonisch bleibt. Während Popaul sein körperliches Verlangen zurückstellen muss, hält eine Serie von Lustmorden das Dorf in Atem.


WEIRD 40% | WONDERFUL 60%


Weirdest moment
Die erholsame Frühstückspause auf einer lauschigen Berghöhe während eines Schulausflugs von Mademoiselle Hélène und ihrer Klasse endet in der höchst makaberen Entdeckung des zweiten Mordopfers. Während eine Schülerin genüsslich in ihr Butterbrot beißen will, tropft darauf das Blut der jungen Frau, die kurz zuvor auf dem Felsen über den Köpfen der Kinder erstochen wurde. Die Kamera zoomt auf die Hand der Toten, von der es schließlich auch saftig auf das Gesicht des schockierten Mädchens tropft.




Most wonderful moment
Nachdem Schlachter Popaul Mademoiselle Hélène die Morde gestanden hat, rammt er sich sein Messer selbst in den Bauch und muss von Hélène ins Krankenhaus gebracht werden. Hélène verabschiedet sich von dem verblutenden Popaul mit einem Kuss und verfolgt an der leuchtenden Fahrstuhlanzeige „Occupé“, wie der Schwerverletzte nach oben in den OP gefahren wird. Noch blinkt das Lämpchen in regelmäßigen Abständen. Dann leuchtet es noch einmal hellrot auf, bevor es schließlich ausgeht. Hélène schließt die Augen. Nach einem letzten Aufschrei ist mit der Lampe auch das Leben Popauls erloschen.


© DVD-Screenshots: Galileo Medien

Beitragende