Mittwoch, 27. Januar 2016

RAZE | Raze - Fight or Die | Josh C. Waller | USA 2013





"Champagner und Spiele"

Worum geht's?
Das Drehbuch passt auf eine halbe DIN A4 Seite: Sabrina (Zoë Bell) erwacht als eine von 50 Frauen in einem Verließ tief unter der Erde. Wie beim Stierkampf haben alle Frauen eigene Zellen, von denen aus immer zwei wie Tiere aufeinander losgelassen werden. Es gewinnt, wem es gelingt die Gegnerin zu töten. Das Ganze dient der puren Unterhaltung einer mysteriösen Geheimgesellschaft, die bei Schnittchen und Champagner mit ihren Favoriten mitfiebern. Damit die Frauen den Kampf auf Leben und Tod nicht verweigern, hat die Gesellschaft vorsorglich von jeder der Damen ein Familienmitglied ausfindig gemacht, das von bezahlten Killern unter Beobachtung steht. Für jeden überlebten Kampf dürfen Tochter, Mutter, Ehemann oder Schwester einen weiteren Tag am Leben bleiben. Wer stirbt unterzeichnet damit automatisch auch das Todesurteil seiner Lieben.

Dieser knallharte Exploitation-Reißer ist im Grunde nicht mehr als ein Bewerbungsvideo für weibliche Stuntfrauen. Angeführt von Tarantino-Entdeckung Zoë Bell, die zuerst Uma Thurman in KILL BILL doubeln durfte und dann in DEATH PROOF ihre eigene Hauptrolle bekam, bekommen die Damen [darunter Rachel Nichols (P2), Tracie Thoms und Rosario Dawson (beide DEATH PROOF)] mindestens einen Kampf lang Zeit um sich für den nächsten Martial Arts Film zu empfehlen. Damit verschenkt der Film leider sehr viel Potential.

Bei aller Repetition sind die aneinandergereihten Kämpfe großartig inszeniert und geschnitten. Die übertriebene Härte, mit der sich hier die Frauen an die Gurgel gehen und die Köpfe zerschlagen, dürfte allerdings nicht jedermanns Geschmack sein, weshalb die Uncut-Fassung des Films in Deutschland auch an einer Jugendfreigabe scheiterte und nun auf dem Index ihr Dasein fristet.

Weird?
Geht so. Denn viel Gewalt macht noch kein "Weird Movie". Doch ein paar skurrile Momente hat RAZE dann doch zu bieten, nämlich in den seltenen Szenen, in denen der Film Einblicke in die mysteriöse Geheimgesellschaft gewährt. Da der Film nahezu jegliche Hintergründe über den voyeuristischen Club verweigert, bleibt viel der Interpretation der Zuschauer überlassen. Geleitet wird der Geheimbund von einem verrückten Ehepaar aus gutem Hause mit unschuldigen biblischen Vornamen. Grandios besetzt mit Doug Jones (JOHN DIES AT THE END) als Joseph und Sherilyn Fenn (TWIN PEAKS) als Elizabeth, die mit dem geheimen Club die Familientradition fortsetzen, die Joseph von seinem Vater übernahm. Mit Sherilyn Fenn bekommt der Film automatisch einen Hauch Lynch und man fühlt sich in einem Red Room der Perversionen. Und Doug Jones sieht immer aus, als wäre er der kleine Bruder von Trash-Ikone John Waters. In Schach gehalten werden die Frauen von Wächtern der Organisation, die alle aussehen wie ehemalige Marines. Die Mitglieder des Clubs, die der Zuschauer nur einmal zu sehen bekommt, erinnern an die zahlenden Kunden in HOSTEL. Auch hier sind es die feinen Pinkel, die mit ihrem Geld glauben alles kaufen zu können. 

Die Frauen werden nicht nur nach Attraktivität, sondern auch nach ihren kampfkünstlerischen Fähigkeiten ausgewählt, damit der Schauwert stimmt. Es soll ja schließlich auch etwas geboten werden fürs Geld. Ein Lockvogel macht sie in Bars ausfindig, mit Alkohol gefügig und schleppt sie ab. Am nächsten Tag erwachen sie auf dem dreckigen Steinboden tief unter der Erde. Im Laufe des Films erzählen sich die Gefangenen Ihre Lebens- und Leidensgeschichten. Sie alle kommen aus Gesellschaftsschichten, weit unter denen der hohen Herren und Damen, die im Club im wahrsten Sinne des Wortes die Gelegenheit bekommen, auf die finanziell schlechter gestellten herabzuschauen, wenn sie die Kämpfe in der Arena komfortabel aus erhöhter Position verfolgen.

Wonderful?
Eher nicht. Das wäre bei einer Story, die so krank ist, auch etwas zuviel verlangt. Stattdessen ist das blutige Spektakel ganz schön dreckig und rotzig, genau so, wie es sich für einen Exploitation-Film gehört. 


Unterm Strich:

Weird: 2/5  |  Wonderful: 0/5


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