Montag, 18. Mai 2015

UP! | Drüber, drunter und drauf | Russ Meyer | USA 1976


„Hallo, ich bin euer griechischer Chor, der Missklang der Fleischeslust, die Verkörperung des Körpers (!) und euer Begleiter in dieser spannenden Mär.“ Der Monolog der halbnackt auf einem Baum hockenden prallbusigen Rothaarigen (Francesca 'Kitten' Natividad) zum Auftakt dieses Sexploitationstreifens macht gleich zu Beginn des Films deutlich, dass hier ein hochkulturelles Meisterwerk zu Erwarten ist. Hier geht es um „eine tadellose Konfiguration von Nietzsches Überweib“, die Büchse der Pandora und die dunkle Geschichte Deutschlands. Nachdem sich der „Nazizauberer“ Adolph Schwartz (Edward Schaaf) im Sadomaso-Keller nach allen Regeln der Lust auspeitschen und von seinem Lakaien anal befriedigen ließ, bringt ihn ein maskierter Unbekannter während eines Schaumbads mit einem Piranha um. Wer war der Mörder? War es Margot Winchester „mit den honigsüßen Schleimhäuten“? Oder die äthiopische Köchin, „das dunkle Pferd in der Mordlotterie“? Ist es der Fuchs, der sich in den eigenen Schwanz beißt und dafür mit Selbstfellatio belohnt wird? Um dies herauszufinden, müssen alle Figuren mit allen anderen in einem Flussbett kopulieren. Und am Ende war es – und das muss hier einfach verraten werden, weil einem ja sonst wieder keiner glaubt – Eva Braun jr., die uneheliche Tochter von Eva Braun und Adolph Schwartz. 


WEIRD #1Die barbusige Francesca 'Kitten' Natividad motiviert als griechischer Chor die Zuschauer bei der Mördersuche und paraphrasiert Gedichte der feministischen Avant-Garde-Poetin Hilda Doolittle mit poetischen Ergüssen wie "ein Schleier so schwarz wie Schnee". Warum sie das tut? Warum nicht. Nach Russ Meyers Geschmack waren im Rohschnitt zu wenig Brüste und die Gedichte hatte er zufällig im Schrank. Warum also nicht einfach einen griechischen Chor einbauen? Kitten Natividad gestand Meyer, dass sie sich die Textzeilen nicht merken konnte, weil sie sie nicht verstanden hat. Wie sollte sie auch. Sie ergeben absichtlich keinen Sinn, damit sie nicht von der "Handlung" des Films ablenken. Letztlich war das Textlernen ohnehin nicht so wichtig, weil Meyer ihre feingeistigen Kommentare von einer anderen Schauspielerin synchronisieren ließ.





WEIRD #2 | Pocohontas [sic], die frivole Häuptlingstochter, ist in diesem Sexmärchen auch mit von der Partie. Sie reitet auf ihrem holden Stecher dem Orgasmus entgegen und hält sich dabei ekstatisch an der Deckenlampe fest. Sie schraubt die Birne raus, fingert in der Fassung, bis sie unter Strom steht und nicht nur ihre Erregung durch den Körper ihres Liebhabers leitet. Mit den Worten „Zurück ins Reservat mit dir“ schickt Polizist Homer (Monty Bane) die Quoten-Indianerin wieder aus dem Film.




WEIRD #3 | Ein kleines Flusstal mit einer erfrischenden Wasserstelle wird zum beliebten erotischen Spielplatz für die sich tummelnden Paare. Zwei wilde lesbische Naturliebhaberinnen vergnügen sich mit einem Strap-On-Dildo. Die Kamera zoomt auf ihre Beine, die sie bei jeder Stoßbewegung mit langgestreckten Füßen schräg nach oben in die Lüfte recken. Die lüsternen Musen grüßen ihren Führer mit den Füßen. Die entsprechende Grußformel ertönt dabei jedes Mal aus dem Off.




WONDERFUL | Russ Meyer führt in den front credits seine Players (ein Spiel mit den Bedeutungen Darsteller und Aufreißer) via Split Screens ein. Zu sehen sind Sexspielchen mit frivolen Früchten aus Szenen, die den Zuschauer im Film erwarten. Eine Kirsche wird von einer Zunge angestupst, eine andere von zwei Pobacken eingesaugt. Die Krönung ist allerdings ein Fetischist mit einer Zip-Maske, der sich eine Banane komplett durch den Reißverschluss in den Mund stopft. Das gibt eine ziemliche Sauerei im Reißverschluss. Später im Film zeigt er, dass er sogar ein Lineal komplett schlucken kann.





Mehr vom badenden Adolph seht ihr auf unserem Badewannen-Blog

DVD-Screenshots: © Warner Vision

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen