Donnerstag, 26. März 2015

THEMROC | Claude Faraldo | Frankreich | 1973


Themroc (Michel Piccoli) lebt mit Mutter und Schwester (Béatrice Romand) in einer kleinbürgerlichen Wohnung. Er quält sich morgens aus dem Bett, trinkt seinen Kaffee, schaut auf die Uhr, ist zu spät, strömt mit allen anderen miesgelaunten Menschen durch enge U-Bahnschachte in die Metro zur Arbeit, verrichtet seinen stupiden Job, kehrt wieder nach Hause zurück und geht schlafen. Themroc hat es satt, dass am nächsten Morgen der ganze Trott wieder von vorne losgeht. Tagein, tagaus. Verstärkt wird die Schwachsinnigkeit des Arbeitsalltags durch die nichtigen Dialoge, die ausschließlich in einer lediglich französisch klingenden Fantasiesprache geführt werden. Nach einem kräftigen Anschiss von seinem Chef, bricht Themroc radikal aus den Routinen des Tagesgrau aus und rebelliert gegen die Zivilisation: Er mauert seine Wohnungstür zu, bricht ein Loch in die Außenwand und macht aus seiner Etagenwohnung eine Höhle, in der er fortan hausen will. Er reißt sich die Kleider vom Leib, besinnt sich auf seine animalischen Triebe und steckt die Nachbarschaft mit seiner Revolte an. Von nun an reden alle themrocanisch: Eine rudimentäre Sprache, reduziert auf Gesten, Grunzen, Schmatzen, Schreien und Stöhnen. Der freie Mensch begnügt sich mit Jagen, Fressen, Trinken, Scheißen, Pissen, Schlafen, Ficken und in der Sonne liegen. Restlos überfordert versucht die Polizei mit allen Mitteln, dem anarchischen Treiben ein Ende zu bereiten.




Weirdest moment
Anarchie macht hungrig. Um die gestiegene Zahl seiner Höhlenmitbewohner zu ernähren, geht Themroc auf die Jagd. Zwei Polizisten müssen dran glauben, deren tote Körper er wie ein Steinzeitmensch auf der Schulter in seine Behausung schleppt. Dort brät er sie am Spieß und serviert sie fein portioniert in ihren eigenen Polizeimützen.




Most wonderful moment
Regisseur Claude Faraldo findet mehrere schöne Bilder für die Sinnlosigkeit des Arbeitslebens, von denen eine nachhaltig im Gedächtnis bleibt: Im Foyer sitzt ein Sekretär, der auch aus den Visionen Jacques Tatis stammen könnte. Sein Tageswerk besteht darin, Bleistifte akkurat anzuspitzen und fein säuberlich auf dem Schreibtisch nebeneinander zu drapieren. Wenn er fertig ist, bricht er die Bleistiftspitzen ebenso säuberlich auf einem Tellerchen wieder ab und beginnt mit seiner Anspitzerei von vorne.


© DVD-Screenshots: epiX

Und eine Badewanne gibt es auch im Film.

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