Donnerstag, 5. März 2015

LES HÉROÏNES DU MAL | Unmoralische Engel | Walerian Borowczyk | Frankreich 1979


Walerian Borowczyks Episodenfilm erzählt drei erotische Geschichten von Damen aus drei unterschiedlichen Epochen: Die schöne Bäckerin “Margherita” (Marina Pierro) ist die Geliebte und Muse des Renaissance-Künstlers Raffael, bezirzt mit ihren Reizen aber auch Kirchenmänner und andere Buhler, von denen sie sich für sexuelle Gefälligkeiten mit Schmuck bezahlen lässt. Am Ende lässt sie sich in ein Komplott verwickeln, bei dem sie den aufstrebenden Maler mit einem Törtchen vergiften soll.

Die zweite Episode ist von einer Erzählung des französischen Schriftstellers André Pieyre de Mandiargues (1909-1991) inspiriert. “Marceline” (Gaëlle Legrand), ein heranwachsendes Mädchen im Fin de Siècle, wird von ihren Eltern von der Außenwelt abgeschnitten und an kurzer Leine gehalten. In ihrer Einsamkeit und überwältigt von ihrer erwachenden Sexualität findet sie in einem flauschigen weißen Kaninchen Gesellschaft und so manche intime Kuschelstunde. Als ihre boshaften Eltern das Tier schlachten und braten, ist sie zutiefst verstört und sucht den Schlachter auf. Der interpretiert den nächtlichen Besuch der jungen Dame als Aufforderung zum Vögeln und vergreift sich auf dem Rücken eines Schafes brutal an ihr. Nun ist die Wut des Mädchens endgültig entfacht und sie kehrt mit Rachegelüsten in ihr Elternhaus zurück...

Die letzte Episode spielt in der Gegenwart. “Marie” (Pascale Christophe), die Frau eines Pariser Galeristen, wird auf offener Straße von einem Mann mit Zorromaske gekidnappt. Diese jämmerliche Verkleidung und ein paar Handschellen in seinem Gepäck reichen aus um im DVD-Klappentext als “brutaler Sex-Ritualist” angekündigt zu werden. Als Maries Mann das Lösegeld nicht aufbringen kann, nimmt ihr Hund César die Fährte auf, um seinem Frauchen seine ganz eigene Form der Liebe zu beweisen.






Weird moment Margherita

Hoher klerikaler Besuch rückt bei Maler Michelangelo an, um ihm das neueste Kunstwerk seines Konkurrenten Raffael vorzuführen und ihn nach seiner fachkundigen Meinung über den jungen Künstler zu befragen. Was die hohen Herren nicht ahnen ist, dass sie Michelangelo gerade bei einer 
Freikörper-Turnstunde mit seinen männlichen Modellen überraschen. Sie platzen gerade in die Künstlerwerkstatt hinein, als die Nackedeis lustig auf ihre Hände klatschend in ein Ringel-Ringel-Reihespiel vertieft sind, während ein weiteres Aktmodell eine Akrobatiknummer auf einem Podest vollführt. Die Kirchenmänner erkennen, dass sie mit einem Meisterwerk wie Die drei Grazien (1503-1505) nichts bei diesem kindischen Treiben zu suchen haben und dampfen grummelnd wieder ab.


"Raffael ist viel netter."
"Aber für einen Maler viel zu keusch!"


Weird moment Marceline
Marceline liebt ihr weißes Kaninchen heiß und innig. Ihre Liebe geht sogar deutlich weiter, als bei durchschnittlichen Haustierbesitzern. An einem schönen Sommertag befreit sie im Garten ihre unterdrückte Lust mit Selbstbefriedigung. Das flauschige Häschen darf ihr dabei helfen und schlüpft zwischen ihre Beine. Nachdem der Mümmelmann sie zum Orgasmus gebracht hat, bedankt sie sich bei ihm und erinnert ihn, dass die gemeinsam verbrachten Minuten ihr Geheimnis bleiben.




Weird moment 
Marie
Der brutale Sex-Ritualist verdient eher den Namen Kai aus der Kiste und ist auch dementsprechend furchteinflößend. Ein für seine perfiden Kidnappings eigens präparierter Stapel aus Pappkartons dient dem Sittenstrolch als Versteck. Er zieht sein Opfer in die dunkle Kartonage. Umhüllt von recyclebarer Wellpappe zwingt er sein Opfer mit vorgehaltener Waffe unauffällig und unerkannt zu seinem Laster zu trippeln. Er packt Frau und Pappverkleidung auf die Ladefläche und fährt zu einem Ort, an dem der Sextäter mit seiner Geisel ungestört ist.



© DVD-Screenshots: donau film


WEIRD
  • ein Unbekannter im Lendenschurz wirft schwarzen Matsch an ein Leinentuch, als wolle er den Renaissance-Fresken mit Aktionskunst Konkurrenz machen
  • beim hektischen Sex auf Raffaels Werkbank irritiert ein deplatzierter Römerhelm
  • der brutale Schlachter erhängt sich nach der Vergewaltigung Marcelines inmitten seiner Schafherde im Stall
  • nicht nur Marcelines Kaninchen darf die Liebe eines Menschenkindes genießen, sondern auch Maries Dobermann darf am Ende seinem nackten Frauchen näher kommen

WONDERFUL
  • liebevoll ausgewählte Schauplätze und Musik für die ersten beiden Episoden
  • erotische Anspielungen auf originale Renaissance-Gemälde
  • ein mehrstöckiges Holzplanken-Labyrinth mit Spiegeln, Treppen, Falltüren und einem Drehkasten, die Raffaels nervige Nebenbuhler erfolgreich auf Distanz halten

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