Montag, 16. Februar 2015

LES PARAPLUIES DE CHERBOURG | Die Regenschirme von Cherbourg | Jacques Demy | Frankreich/BRD 1964



Die 16-jährige Regenschirmverkäuferin Geneviève (Catherine Deneuve) und der junge Automechaniker Guy (Nino Castelnuovo) sind schwer verliebt, aber Genevièves Mutter (Anne Vernon) ist gegen eine frühe Heirat. Als Guy für zwei Jahre zum Militärdienst einberufen wird, verbringen die Turteltäubchen eine Liebesnacht zusammen, bei der Geneviève schwanger wird. Enttäuscht darüber, dass Guy ihr scheinbar nicht schreibt, lässt sie sich von der Mutter zur Hochzeit mit dem reichen Juwelierhändler Roland Cassard (Marc Michel) überreden, der um sie wirbt und sie auch mit dem Kind akzeptiert. Als Guy schließlich aus dem Kriegsdienst zurückkehrt, ist seine Jugendliebe aus Cherbourg fortgegangen. Zunächst ist er niedergeschlagen, findet aber bald Trost bei Madeleine (Ellen Farner), der liebenswürdigen Pflegerin seiner Tante.


Der Film hat keine einzelnen Momente, die besonders herausstechen, sondern ist eher ein weird and wonderful Gesamtkunstwerk. Daher haben wir hier ganz simpel zwei Besonderheiten des Films herausgepickt und Bildern garniert.

Weird
Jede einzelne Zeile in diesem Film wird im Rezitativ vorgetragen. Von „Hallo“ bis zu „Der Motor rasselt noch etwas“ findet der gesamte Dialog in einem Sprechgesang und mit Musik untermalt statt. Die von Musikmeister Michel Legrand komponierten Stücke gehen nahtlos ineinander über und passen sich jeweils mit zackigen Swingrhythmen oder melodisch-schmalzigen Liebeshymnen der jeweiligen Situation an. Stille gibt es nicht. Absurd wird das Ganze, wenn völlig banale Alltagsfloskeln in vollkommener Ernsthaftigkeit vorgeträllert werden. Wenn z.B. die Mechanikerjungs sich im Bad von ihren Feierabendplänen erzählen, driftet das Musical mit seinem Gesinge so ins Alberne, dass das zuckrig-kitschige des Liebesthemas in Musikform herrlich konterkariert wird. Zumal es auch die eindringliche (selbstredend ebenfalls gesungen vorgetragene) Bemerkung darüber gibt, dass das Kino besser als die Oper sei – eine wunderbar ironische Selbstreflexion in einem Musicalfilm mit ausschließlich gesungenen Dialogen.


Wonderful
Die gesamte Ausstattung des Films – Regenschirme, Fahrräder, Putzkittel – ist quietschbunt wie ein Knallbonbon und in jeder Szene bis ins Detail durchgestylt. Jedes Kostüm und Haarband ist mindestens mit einer Tapete oder einem Türrahmen farblich penibel aufeinander abgestimmt, was visuell einzigartig wirkt. Um die Farbenpracht so auf die Spitze zu treiben, wurden sogar Teile des Schauplatzes neu angestrichen. Form siegt über Inhalt, wenn Demy die alltäglichsten Szenen in seinen Farbeimer taucht und Einstellung für Einstellung durchkomponiert: Etwa wenn Geneviève ein Blumenbouquet bindet, Regenschirme putzt oder wenn Guy Madeleine bei einem Kaffee Liebesschwüre zuhaucht.












(c) DVD-Screenshots: Arthaus





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