Sonntag, 4. Januar 2015

LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE | Jess Franco | Deutschland/Schweiz 1977


„Seit 3 Jahrhunderten verboten und verfemt – zum ersten Mal verfilmt“ schreit es reißerisch auf dem Filmplakat dieses Nunsploitation-Streifens von Jess Franco, der sich des Titels der ihrerzeit skandalösen Briefesammlung der Nonne Soror Mariana Alcoforado bedient.

Pater Vinzenz (William Berger) ertappt die 16-jährige Marie (äußert freizügig gespielt von der tatsächlich 16-jährigen und späteren Hardcore-Darstellerin Susan Hemingway) mit ihrem Verehrer Cristóbal beim harmlos-näckischen Spiel im Wald. Der Kirchenvertreter findet Gefallen an dem in seinen Augen höchst unkeuschen Mädchen. Er wirft ihrer Mutter schlechte Erziehung vor und sieht nur eine einzige Rettung für das Seelenheil des Kindes: in seiner Obhut als Herr und Zuchtmeister nimmt er sie als Novizin mit in ein Kloster. Er übergibt das Mädchen der Ordens-Oberin Alma (Ana Zanatti), die sofort eine Leibesvisitation an dem Mädchen vornimmt, um sich ihres unberührten Hymens zu vergewissern. Denn nur Jungfrauen dürfen in dem Orden aufgenommen werden. Bereits bei diesem ersten sexuellen Übergriff wird deutlich, dass der geheimnisvolle Konvent mit Gott und Kirche wenig zu tun hat. In Wahrheit werden hier im Namen Satans Sexorgien gefeiert und Mädchen gefoltert.

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Weird moment #1
Pater Vinzenz wird von Alma, die sich als „Hohe Priesterin“ bezeichnen lässt, beauftragt, sich ein Urteil über Maries sündigen Körper zu bilden. Dazu führt er sie in den Beichtstuhl, wo er sie über ihre bisherigen Erfahrungen in Liebesdingen ausfragt. Von ihren Erzählungen höchst erregt, beginnt der Pater im Sichtschutz der vergitterten Beichtwand sich selbst zu befriedigen. Er fordert das Mädchen auf, kein schmutziges Detail auszulassen. Das Stöhnen des Zuchtmeisters dringt bis ins Kirchenschiff, wo die Hohe Priesterin gerade Messe feiert. Die Novizinnen kichern und drehen sich neugierig um, als Pater Vinzenz hörbar zum Orgasmus kommt. Körperlich befriedigt kann er nun sein Urteil fällen. Er nimmt Marie das Sündenbekenntnis ab, segnet sie und verordnet ihrem Körper Züchtigung durch Geißeln und Dornen.



Weird moment #2
Als Marie hinter das Interesse an ihrer Jungfräulichkeit kommt, ist es bereits zu spät. In einer okkulten Zeremonie, in der die Hohe Priesterin zur Buhlerin des Satans aufsteigen will, soll sie mit dem Höllenvater vermählt werden. Damit das Mädchen von nun an und für Ewigkeit ihm allein gehört, muss es ihm ihre Jungfräulichkeit opfern. „Kniet nieder und erweist dem erlauchtesten aller Lüstlinge eure Reverenz, Schwestern. Auf dass er euch mit Sinnenlust erfülle und mit geilen Wünschen.“ Mit diesen Worten bereitet Pater Vinzenz dem Teufel (verkörpert von Herbert Fux mit diabolischen Grimassen und angeklebtem Gummihorn an der Stirn) einen gebührenden Empfang. Um sich zu nehmen, was ihm seit Anbeginn gehöre, postiert sich der Höllenfürst hinter dem auf einer Bühne festgehaltenen Mädchen. Er ermächtigt sich mit seinen behaarten Teufelsfingern ihres Hinterns und nimmt ihr die Jungfräulichkeit. Die ringsherum versammelten Nonnen fallen ihn ekstatische Erregung und die Hohe Priesterin fleht darum endlich zu Lilith, Priesterin des Teufels, zu werden. Die Gebetsschwestern reißen sich die Kleider vom Leib und lassen die Zeremonie in eine hemmungslose lesbische Sexorgie münden.



Most wonderful moment
Obwohl es inhaltlich alles andere als wundervoll ist, wenn ein Pater eine Schutzbefohlene zu sexuellen Handlungen zwingt, lässt sich die entsprechende Szene formal betrachtet als „most wonderful moment“ des Films bezeichnen, da Jess Franco hier beweist, dass er mehr Gespür für filmisches Erzählen hat, als es ihm diejenigen zutrauen, die ihn lediglich als Schmuddelfilmer aburteilen. Wir sehen Jess Franco lieber als auteur mit eigener Handschrift und schließen uns Christoph Twickel an, der Jess Franco als „eine Art Fassbinder des B-Films“ bezeichnet.

Obwohl der Film alles andere als zimperlich mit Darstellungen von Sex und Gewalt umgeht, wählt der sonst so freizügige Franco eine elegante Methode um Pater Vinzenz’ Orgasmus darzustellen, wenn er die junge Marie zum Oralsex nötigt. Die Kamera nimmt eine erhabene Position unter der Decke des Klosterzimmers ein und filmt aus dieser Ansicht heraus den Pater von hinten. Die vor ihm kniende Novizin ist nur noch zu erahnen. Statt den sich ergießenden Pater zu zeigen, schwenkt die Kamera während dessen Höhepunkt zum Fenster und nimmt die schäumend ans Ufer schlagende Brandung ins Bild. Auf der Tonspur übertönen Engelschöre das Stöhnen des Lüstlings.


(c) DVD-Screenshots: Ascot Elite

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