Mittwoch, 28. Januar 2015

DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED | Lotte Reiniger | Deutschland 1926


Lotte Reinigers kunstvoller Silhouetten-Film ist der weltweit älteste erhaltene Animationsfilm. Er verarbeitet in fünf Akten mehrere Handlungsstränge von bekannten Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Ein mächtiger afrikanischer Zauberer erschafft ein fliegendes Zauberpferd und verkauft dieses dem Sultan für die Hand von dessen schöner Tochter Dinarsade. Als ihr Bruder Achmed einschreitet, hebt er unfreiwillig auf dem Pferd in die Lüfte. Er gelangt in das mysteriöse Dämonenreich von Wak-Wak, wo er sich unsterblich in die Herrin des Geisterlandes Pari Banu verliebt. Bevor er seine Liebste mit in sein Reich nehmen kann, muss er es mit diversen Dämonen aufnehmen, den afrikanischen Zauberer bezwingen und mithilfe von Aladdins Lampe Pari Banu aus den Fängen des Kaisers von China befreien. Und zu allem Überfluss muss er auch noch seine Schwester Dinarsade retten.

WEIRD 8% | WONDERFUL 92%


 


Weirdest moment
Die erste der zahlreichen Stationen auf Prinz Achmeds Reise mit dem Zauberpferd ist eine der geheimnisvollen Zauberinseln von Wak-Wak. Hier stolpert er unverhofft in einen Harem, wo die anmutigen Dienerinnen Pari Banus ihn nymphomanisch belagern. Sie reichen ihm köstliche Speisen und Getränke und lassen sich von ihm füttern. Kaum liegt er der ersten Schönheit leidenschaftlich in den Armen, becirct ihn eine andere Grazie mit erotischem Tanz. Doch sie erobert seinen Körper nur kurz. Ehe sie sich versieht, dreht sich Achmed um und knutscht mit der nächsten Dame. Der wilde Partnerwechsel führt zu einem Catfight unter den erhitzten Frauen. Der Prinz nutzt das Chaos, um sich in eine Art Liebesschaukel zu hangeln, in der bereits zwei weitere Gespielinnen auf ihn warten. Als die Konkurrentinnen untereinander handgreiflich werden und die Schaukel aus der Verankerung reißen, nimmt Achmed die Beine in die Hand und flieht aus dem Liebestempel.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



Most wonderful moment
Des Nachts gelangt Achmed an einen idyllischen See, an dem sich die schöne Pari Banu mit ihren Gespielinnen in Vogelgestalt niederlässt. Versteckt unter Palmen beobachtet er lüsternd, wie die Damen ihr Federkleid abwerfen und splitternackt ein nächtliches Bad nehmen. Mit viel Liebe zum Detail sind vor einem tiefblauen Lichthintergrund mit der Schere filigrane Vogelfedern, Palmenblätter und sogar die beweglichen Schatten der Badenden auf der Seeoberfläche nachempfunden.


© DVD-Screenshots: Absolut Medien


Weird and wonderful facts
  • Lotte Reiniger arbeitete von 1923–1926 an dem 65-minütigen Silhouetten-Film. Aus ihren filigranen und dank beweglicher Einzelteile animierbaren Scherenschnittfiguren fotografierte sie mit ihrem Mann Carl Koch insgesamt etwa 250.000 Frames, von denen es 96.000 in den finalen Film schafften.
  • Seine Premiere feierte der Films dank Vermittlung von Jean Renoir im Juli 1926 in der Comédie des Champs-Elysées in Paris.
  • Eine Hommage an das magische Duell zwischen dem afrikanischen Zauberer und der guten Hexe findet sich in Disneys THE SWORD IN THE STONE (1963): Im Duell zwischen Zauberer Merlin und Madame Mim nehmen die Kontrahenten ebenfalls wechselnde Tiergestalten an, um den Gegner zu besiegen. Hier sind allerdings die Rollen von Gut und Böse vertauscht.
  • Als Tribut an den Film heißt der erste Verehrer von Prinzessin Jasmin in Disneys ALADDIN (1992) Prinz Achmed.
  • Die Credits in LEMONY SNICKET'S A SERIES OF UNFORTUNATE EVENTS (2004) huldigen Lotte Reiniger mit ihrem Animationsstil nachempfundenen Scherenschnittfiguren.

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