Freitag, 19. Dezember 2014

UNE FEMME MARIÉE: SUITE DE FRAGMENTS D'UN FILM TOURNÉ EN 1964 | Eine verheiratete Frau | Jean-Luc Godard | Frankreich 1964


Charlotte (Macha Méril) ist eine junge, attraktive und moderne Pariserin. Ihren Ehemann Pierre (Philippe Leroy) sieht sie nur äußerst selten, da dieser als Pilot durch die Welt reist. So sucht sie sich zusätzlich einen Geliebten als Zeitvertreib – den Theaterschauspieler Robert (Bernard Noël). Obwohl beide Männer sich ein Kind von ihr wünschen und sie ganz für sich einnehmen wollen, kann sie sich nicht zwischen den beiden entscheiden. Selbst als sie erfährt, dass sie schwanger ist, sieht sie darin keinen Grund, einen der Herren zu verlassen.

WEIRD 5% | WONDERFUL 95%




Weird moment #1
Charlotte lebt in einer Welt, in der die Reizüberflutung von Werbung und Medien ihre Wahrnehmung beeinflusst. In einem Frauenmagazin findet sie eine Anleitung zum Abmessen der Brüste, mit der sich feststellen lässt, ob ihre Rundungen dem „goldenen Schnitt des Busens“ – nach dem Ideal der Venus von Milo – gerecht werden. Mit dem Zentimetermaß macht sich Charlotte ans Werk mit dem Ziel, dass ihre Messungen wie im Heft gefordert einem äquilateralen Dreieck entsprechen. Doch mit abstrusen Rechenformeln wie „Anzahl der Zentimeter von der Achselhöhle zur Halskurve durch zwei geteilt“ kommt sie auf kein zufriedenstellendes Ergebnis.




Weird moment #2
Charlotte geht ins Schwimmbad, wo ihre Augen die badenden jungen Mädchen bewundernd verfolgen. Doch auch eine Kamera ist auf die jugendlichen, perfekten Frauenkörper im Wasser geheftet. Die voyeuristischen Aufnahmen dieser Montage verfremdet Godard durch einen Negativ-Effekt, der jede noch so normale Bewegung der plantschenden Damen merkwürdig aussehen lässt. Dazu hört man nicht etwa die Schwimmbad typische Geräuschkulisse aus Spielen und Lachen, sondern von Charlotte aus dem Off geflüsterten zusammenhangslosen Nonsens und Gedankenfetzen über ein mysteriöses Liebestreffen von (wahrscheinlich) ihr und einem Unbekannten im Januar 1964. Ohne Erklärung endet die Szene und Charlotte schreitet weiter zum nächsten Tagesordnungspunkt.




Most wonderful moment
Eine von einem eindringlichen Cello begleitete Liebesszene zwischen Charlotte und ihrem Mann löst Godard ausschließlich in wundervollen Close-Ups von Körperteilen, Gesichtern sowie entzückender Rückenansichten auf. Es geht Godard um das zärtliche Betrachten und Streicheln des Körpers eines Geliebten. Die Kamera lässt den Zuschauer dieses intime Spiel auf hohem ästhetischen Niveau mitempfinden.


(c) DVD-Screenshots: UFA

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