Mittwoch, 1. Oktober 2014

2046 | 2046 – Der ultimative Liebesfilm | Wong-Kar Wai | Hong Kong/China/Frankreich/Italien/Deutschland 2004


In Wong Kar Wais loser Fortsetzung von IN THE MOOD FOR LOVE schreibt der chinesische Autor Chow (Tony Leung) auf seinem Hotelzimmer an einem philosophischen Science-Fiction-Roman mit autobiographischen Zügen. Er handelt von dem einsamen Japaner Tak (Takuya Kimura), der im Jahr 2046 mit dem Zug an einen dystopischen Ort reist – der ebenfalls 2046 heißt –, in der Hoffnung seine verlorene Liebe wiederzufinden. Inspiration für die Entwicklung seiner melancholischen Figuren sind Chows Erinnerungen an seine eigenen verflossenen Liebschaften. Drei Frauen haben in seinem Leben eine Rolle gespielt, und sie alle wohnten in seinem Hotel – im Nachbarzimmer, Nr. 2046. Besonders über seine einzige große unerfüllte Liebe Su Li-Zhen (Gong Li) versucht er durch das Schreiben hinwegzukommen.

WEIRD 20% | WONDERFUL 80%



Weirdest moment
Von Einsamkeit bedrückt, sitzt Chows literarisches Alter Ego Tak im Zug, um als erster Mensch 2046 wieder zu verlassen. An Bord lässt er sich von zwei androiden Gästebetreuerinnen umsorgen. Dabei passiert Tak genau das, wovor er gewarnt wurde: Er verliebt sich in eine der beiden, da sie seiner verlorenen Liebe ähnelt. Doch die Maschinen leiden nach einer gewissen Nutzungsdauer unter verzögerten Reaktionen, die sie emotionale Signale wie Lachen oder Weinen erst Tage später zeigen lassen. So weiß Tak nie, was die defekte Androide für ihn empfindet. Er versucht sie zum Lachen zu bringen und bittet sie mehrmals, sein trauriges Geheimnis anzuhören und mit ihm fortzugehen. Doch er muss aufgeben. Erst als Tak schon nicht mehr da ist, erscheint ein völlig unmotiviertes Lächeln auf dem sonst ausdruckslosen Gesicht. In einer Röhre, in der sie sich schließlich zur Ruhe legt, rinnt im kalten Neonlicht eine einzelne Träne über ihre regungslose Wange.



Most wonderful moment
In Chows Roman erzählt der Protagonist von einem vergessenen Brauch, nach dem die Menschen sich früher einen Baum auf einem Berggipfel aussuchten, ein Loch hineinschnitzten und dort ihr Geheimnis hineinflüsterten. Wong Kar Wai zeigt das futuristische Pendant zu diesem Brauch in hypnotischen Bildern: Langsam zoomt die Kamera auf ein großes muschelartiges Gebilde mit einer mysteriösen Vertiefung, in die der Protagonist und später seine Geliebte ihr jeweiliges Geheimnis hineinflüstern. Blaue Leuchtschrifttafeln mit verschwommenem Text ziehen durchs Bild und untermalen den nachdenklichen Monolog des unglücklich Liebenden: „Ich liebte einmal. Nach einer Weile verschwand sie. Ich ging nach 2046, denn ich hoffte, dass sie dort auf mich wartete. Doch ich habe sie nicht gefunden. Ich frage mich ständig, ob sie mich jemals geliebt hat. Ich werde es wohl nie herausfinden. Vielleicht war ihre Antwort wie ein Geheimnis, das für immer verborgen bleibt. All unsere Erinnerungen sind in Tränen gebadet.“

(c) DVD-Screenshots: Paramount

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