Montag, 3. November 2014

NAPAPIIRIN SANKARIT | Helden des Polarkreises | Dode Karukoski | Finnland/Island/Schweden 2010


Der arbeitslose Janne ist der geborene Verlierer. Es ist ein Wunder, dass seine Beziehung mit Irina bereits neun Jahre hält, obwohl er sein Leben nicht auf die Kette kriegt. Zur Feier des Jahrestages möchte seine Freundin mit ihm TITANIC im Fernsehen schauen. Dies droht jedoch an dem fehlenden Digitalreceiver mit Kanalwechsler zu scheitern, den der Janne ihr schon seit Jahren verspricht. Inari schickt ihn los, um endlich einen zu besorgen. Nachdem Janne ihr Geld lieber in der Kneipe vertrunken und verspielt hat, setzt ihm Inari wütend ein Ultimatum: Wenn er nicht bis morgen früh um 9:00 Uhr eine Digibox besorgt, macht sie mit ihm Schluss. Für Janne steht alles auf dem Spiel und der einzige Elektroladen, der freitagabends noch geöffnet hat ist 200 km weit entfernt. Ohne einen Cent in der Tasche begibt er sich mit seinen besten Freunden auf einen Roadtrip, auf dem die drei bei den Versuchen das nötige Geld aufzutreiben mit pelzgierigen Russen und einer Sportmannschaft aus Mörderlesben herumschlagen müssen.

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Weirdest moment
An der Bar des Hotels, einem Zwischenstopp ihrer Odyssee, erkennt Jannes Loserfreund Ralle seine vollbusige Traumfrau aus dem Automaten-Stripspiel seiner Dorfkneipe wieder, deren Oberweite er bisher nicht geschafft hat freizuspielen. Die beiden kommen sich näher, aber Ralle versteht nichts von Frauen, kriegt kalte Füße und läuft davon. Später kehrt er zurück ins Hotel und erfragt voller Mut ihre Zimmernummer. Als die Rezeptionistin sie ihm nicht sagen will, verschafft er sich gewaltsam Einblick in ihren Rechner, findet den richtigen Schlüssel und marschiert in die obere Etage. Aber die Empfangsdame ist auf ungebetene Gäste vorbereitet. Bevor Ralle das Zimmer der Angebeteten erreicht, streckt sie ihn mit einem Elektroschocker auf dem Flur nieder. Mit weiteren Stromstößen lähmt sie seine verbitterten Versuche am Boden weiterzurobben, bis er schließlich regungslos liegen bleibt.



Most wonderful moment
Die Selbstmordrate in Jannes trostlosem Heimatdörfchen ist hoch, da hier seit Generationen nur Arbeitslose und Depressive leben. Der Film beginnt mit einer poetisch-nachdenklichen Anekdote über den „Baumelbaum“, an dessen Ast eine Schlinge hängt. Vor der Kulisse einer schaurig-stillen kahlen Winterlandschaft erzählt Janne von den misslungenen Schicksalen vieler armer Würste, die dort nach demselben Muster ihr Leben beendet haben, als handle es sich um ein Ritual. Die Verzweifelten rammen mit aller Wucht ihr Messer in den Stamm, bevor sie in der Schlinge baumeln. Auslöser für ihre Verzweiflungstat sind schwere Kriegsverluste oder auch Kleinigkeiten wie ein verlorenes Eishockeyspiel gegen Schweden. Mit makaberen, aber höchst ästhetischen Bildern führen die episodenhaft aneinander gereihten Suizide die Zuschauer in die aussichtslose Welt des Protagonisten ein.

DVD-Screenshots: (c) Pandastorm Pictures

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