Montag, 24. November 2014

LA CORTA NOTTE DELLE BAMBOLE DI VETRO | Malastrana | Aldo Lado | Italien/BRD/Jugoslawien 1971


Prag. Journalist Gregory Moore (Jean Sorel) wird regungslos aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte können nur noch seinen Tod feststellen. In der Pathologie rätseln die verwunderten Kollegen, warum Gregorys Körpertemperatur sich auch nach Stunden im Kälteraum konstant auf 32 °C hält und die Totenstarre nicht einsetzt. Was die Ärzte nicht ahnen: Gregory kann sich zwar nicht mehr bewegen oder sprechen, hört jedoch jedes Wort und ist bei klarem Verstand. Bangend hofft er, dass die Ärzte sein Bewusstsein bemerken und einen Weg finden, ihn aus dieser mysteriösen Lage zu befreien. Angestrengt versucht er die Ereignisse zu rekapitulieren, die ihn in diese Situation gebracht haben…

WEIRD 90% | WONDERFUL 10%



Weird moment #1
Auf der Suche nach seiner verschwunden Freundin Mira (Barbara Bach) und bei der Recherche mysteriöser Morde kann niemand Gregory wirklich helfen. Doch schließlich kommt er auf die Spur eines mysteriösen Zirkels, der okkulte Rituale mit jungen Mädchen durchführt. In einem Raum bewegt sich eine Horde nackter Menschen zu lautem Gestöhne wie in Trance. Sie haben einen irren Blick und fangen an, unkontrolliert zu kopulieren. In der Mitte ist Gregorys Freundin auf eine Liege gebettet und wird vom Sektenführer beschworen. Über ihr bimmelt ein Glöckchen, während sie sich lustvoll windet. Als Gregory dem perversen Treiben ein Ende bereiten will, tritt ihm ein bebrillter Priester mit einem Geweih auf dem Kopf entgegen und erklärt, dass der Zirkel aus den jungen Mädchen (den Schmetterlingen) ewige Jugend schöpft und dass Gregory nun, da er von diesem Geheimnis wisse, in einen Totenschlaf versetzt werde.





Weird moment #2
Das zentrale Motiv des Films sind Schmetterlinge. Sie symbolisieren junge Mädchen, spielen eine Rolle in den okkulten Praktiken von Gregorys Peinigern und präparierte Exemplare werden in mehreren Szenen in Glaskästen gezeigt. Um diesem Motiv noch mehr emotionale Wucht zu geben, lassen die Filmemacher die Insekten von einem Künstler besingen, mit dem wohl die wenigsten Zuschauer dieses italienischen Giallos gerechnet haben: Jürgen Drews. Ja, richtig gelesen, „der König von Mallorca“ gibt sich ein Stelldichein und schmettert als Straßenmusikant den eigens für den Film komponierten Schlager The Short Night of the Butterfly. Im Song singt er über sich selbst als Schmetterling mit gestutzten Flügeln. Dabei hockt er mit Gitarre auf der Mauer einer Brücke, umringt von andächtig lauschenden Jugendlichen. Während die Totalen tatsächlich mit Drews vor Ort gedreht wurden, scheinen die Close-Ups des Barden geradewegs aus Archivmaterial der ZDF Hitparade entnommen zu sein. Und wie ist dieser unvergessliche Auftritt in die Handlung eingebettet? Gregory läuft bei einem nächtlichen Streifzug zufällig an der Menschentraube vorbei. Ein Unbekannter nutzt die musikalische Untermalung, um Gregory hinterrücks über die Brüstung der Mauer in den Fluss zu stoßen.

(c) DVD-Screenshots: Koch Media



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