Montag, 22. September 2014

HER | Spike Jonze | USA 2013

In der nahen hochtechnisierten Zukunft: Der verkappte Literat Theodore (Joaquin Phoenix) arbeitet als Ghostwriter für die Dienstleistungswebsite www.beautifulhandwrittenletters.com. Dort formuliert er emotionale Liebesbriefe nach Kundenwunsch. Privat existiert die harmonische Liebe, die er in den Briefen anderer Paare beschreibt, schon lange nicht mehr. Mit seiner Ehefrau Catherine (Rooney Mara) steckt er mitten in den Scheidungsformalitäten. Auf der Suche nach Ablenkung kauft er sich das intelligente Betriebssystem OS1, das lernfähig ist und sprechen kann. Samantha nennt sich die weibliche Stimme (Scarlett Johansson), die für Theodore vom Steuerungs-Tool schnell zur körperlosen Begleiterin wird. Auf Schritt und Tritt via Earphone verbunden, verlieben sich User und Operating System ineinander. Das ungleiche Paar versucht seiner Liebe trotz fehlender körperliche Nähe eine Chance zu geben.


WEIRD 50% | WONDERFUL 50%



Weirdest moment
OS1 wird mit einem kleinen mobilen Endgerät geliefert, das mit einem Bildschirm und einer Kamera ausgestattet ist. Um Samantha an seinem Leben teilhaben zu lassen, steckt sich Theodore das einem Smartphone ähnliche Gerät in seine Hemdtasche, sodass die Kamera herauslugt, die Samantha als mobiles Auge dient. Als sie zusammen am Strand sind, äußert Samantha „a really weird thought“. Angenommen man könnte sein komplettes Wissen über das Aussehen menschlicher Körper löschen, wie wäre dann das Gefühl beim ersten Anblick dieses „really weird, gangly, awkward organism“? Würde man sich nicht fragen, warum alle Körperteile dort sind, wo sie sind? Es gäbe doch so viele andere Möglichkeiten: beispielsweise was, wenn das Arschloch in der Achselhöhle wäre? Während Theodore sich amüsiert die an diese Physiognomie angepassten Toiletten vorstellt, treibt Samantha ihr Gedankenspiel auf die Spitze und fragt, wie wohl Analsex in diesem Fall aussehen würde. Bevor der irritiert-verlegene Theodore etwas erwidern kann, zeichnet Samantha ihm spontan eine frivole Illustration auf sein Display.



Most wonderful moment
Als die Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu scheitern droht, setzt sich Theodore nach einem nächtlichen Streifzug durch die Stadt geknickt auf eine Mauer. An der Hausfassade hinter seinem Rücken hängt eine große Videoleinwand. In Zeitlupe wird darauf ein Habicht beim Landeflug auf ein Beutetier gezeigt. Die frontale Kameraperspektive lässt es aussehen, als ob der Raubvogel mit seinen ausgefahrenen Krallen den einsamen Theodore umgreifen will.


(c) DVD-Screenshots: Warner Home Video

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